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Die Umverteilung des Wassers beginnt

Viele Regionen müssen mit einer Veränderung der Süßwasservorkommen rechnen

Die globale Erwärmung ist unbestritten. Ob sie von Menschenhand verursacht wurde, einen natürlichen Ursprung hat oder von beidem verursacht wird, darüber sind sich die Experten heute noch nicht einig. Fest steht allerdings, dass die Erwärmung das Süßwasser auf dem Globus anders verteilt. Es ist beinahe wie mit dem Vermögen. Die einen haben Unmengen an Vermögen und andere zu wenig zum Überleben. Beim Süßwasser verhält es sich ähnlich. Einige Regionen saufen förmlich ab, während die anderen völlig austrocknen. Im Gegensatz zum Geld sind beim Süßwasser in beiden Fällen die Existenzen vieler Menschen bedroht.

Die beiden Entwicklungshelfer Erik Salas und Daniel Busche befassen sich mit dem Thema Wasser, doch die Herausforderungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Erik Salas versucht in Mosambik die Menschen vor Überschwemmungen zu schützen, und Daniel Busche kämpft im 6.500 Kilometer entfernten Jordanien gegen den durch die Trockenheit verursachten Wassermangel. Erik Salas bildet in der Hauptstadt Maputo Helfer aus, die bei Überschwemmungen die Bevölkerung schützen sollen. Sie überwachen die Flussstände, geben rechtzeitig Alarm und managen gegebenenfalls Evakuierungen für bedrohte Gebiete. „Das sind lokale Strukturen ähnlich wie die der freiwilligen Feuerwehr in Europa“, erklärt Erik Salas, der für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet. Wie gefährlich die Situation ist, zeigte sich Anfang 2013, als bei einer Flut Dutzende Menschen starben und mehr als 100.000 obdachlos wurden.

Der in Amman arbeitende Daniel Busche steht in mehr als 6.000 Kilometern Entfernung gänzlich anderen Herausforderungen gegenüber. Jordanien gehört zu den zehn wasserärmsten Regionen der Welt. Wasser ist rationiert und sehr teuer, für viele kaum zu finanzieren. „Für arme Bevölkerungsgruppen ist das existenzbedrohend. Viele Familien geben einen Großteil ihres Geldes für Lebensmittel und Wasser aus“, sagt Busche, der das jordanische Wasserministerium berät und auch für die GIZ arbeitet. Der Entwicklungshelfer versucht den jordanischen Landwirten mehr Sparsamkeit und Effizienz bei der Wassernutzung zu vermitteln. So könnte aufbereitetes Abwasser für die Bewässerung genutzt werden. Das Ziel ist, dass mehr Menschen von den knappen Wasservorkommen profitieren können.

Für beide sind die Ursachen der Probleme die gleichen: Das Süßwasser auf dem Planeten ist ungleich verteilt. Was die einen im Übermaß haben, ist bei den anderen kaum vorhanden. Die Prognosen für die Zukunft deuten auf eine weitere Verschärfung der Situation hin. Die fortschreitende Erwärmung der Erde verändert das Wetter und führt zu extremeren Bedingungen, als die Regionen schon haben. Es wird prinzipiell nicht mehr oder weniger Süßwasser geben, doch die Verteilung wird ungleicher. Die bereits unter Wasserknappheit leidenden Regionen werden noch weniger Süßwasser zur Verfügung haben, und die durch Hochwasser bedrohten Gebiete müssen mit mehr Regenfällen und dadurch häufigeren Überschwemmungen rechnen. „In gegenwärtig trockenen Regionen werden für das Ende des 21. Jahrhunderts häufigere Dürren prognostiziert“, lautet das Worst-case-Szenario des Berichts des Weltklimarates IPCC.

Süßwasser ist das wichtigste Gut für den Menschen, und ohne Unmengen an Süßwasser würde die Welt nicht funktionieren. Die Landwirtschaft braucht Süßwasser, die Energieversorgung ist abhängig von Süßwasser, die Industrie benötigt allein 20 Prozent der Vorkommen, und 10 Prozent verbraucht der Mensch direkt. Das Paradoxe ist, dass arme Länder wesentlich mehr Süßwasser für die Landwirtschaft aufwenden als reiche Staaten. Damit verschlimmert sich die Wasserknappheit für die Bevölkerung zusätzlich.

Nach Angaben der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wurden im Jahr 2000 etwa 3.500 Kubikkilometer Süßwasser genutzt. Bis 2050 wird der Verbrauch, auch wegen der wachsenden Weltbevölkerung, um 55 Prozent ansteigen. Bereits heute ist in vielen Regionen die Ausnutzung der Wasserreserven am Limit. Wie die Situation in den nächsten Jahren und Jahrzehnten gehandhabt werden soll, wagt keiner zu beantworten.

Klimatechnisch wird es sogar mehr Süßwasser geben, denn eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasser aus den Ozeanen verdunsten lassen und speichern. „Es kann generell mehr Wasser abregnen. Das ist ein rein physikalischer Effekt“, erklärt Jonas Hagemann vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Potsdam. Obwohl der globale Wasserkreislauf durch die Erderwärmung in Schwung kommt, hilft es den wasserarmen Regionen kein bisschen. In den heißen Regionen verdunstet mehr Wasser, aber zum Niederschlag kommt es anderswo. Die Ursache liegt in der Mindestfeuchtigkeit der Luft, damit es zu Niederschlag kommt. Erst mit Feuchtigkeit gesättigte Luft kann kein Wasser mehr speichern, sodass es zwangsläufig regnet. In trockenen Gebieten ist die Atmosphäre in der Regel trocken. Dadurch wird dem Boden die Feuchtigkeit entzogen und kommt in anderen Regionen als Niederschlag zurück auf die Erde.

Zudem verursacht die Erderwärmung in vielen Teilen der Welt ein Verschieben der feuchten Luftmassen, welche die Feuchtigkeit über teilweise Tausende Kilometer durch Luftströme transportiert. Solche Luftströme entstehen, weil sich Druck- und Temperaturunterschiede in der Atmosphäre ausgleichen und dadurch enorme Luftmassen umwälzen. Das sorgt für eine Neuverteilung von feuchter und trockener Luft. Das wasserreiche Mitteleuropa profitiert vom starken Druckgradienten zwischen Island (Islandtief) und den Azoren im Nordatlantik (Azorenhoch), welches eine starke Luftströmung vom Atlantik bis Mitteleuropa verursacht. „Dann kommt natürlich viel feuchte Luft bei uns an“, sagt Prof. Dr. Klaus Dethloff vom Alfred-Wegener-Institut. Dadurch haben wir vermehrt milde Winter und regnerische Sommer. Verringerte sich dieser Druckunterschied, würde mehr kalte und trockene Luft aus den Polarbreiten nach Mitteleuropa kommen, was sich in weniger Niederschlägen äußern würde.

Jonas Hagemann und Prof. Dr. Klaus Dethloff sehen im Klimawandel die Ursache für die Verschiebung der Niederschläge und dass sich die Bahnen tendenziell weg von den Subtropen in Richtung der Pole verlagern. Damit hat Nordeuropa zukünftig mit mehr Niederschlag zu rechnen. Subtropische Gebiete wie Zentralamerika, die südlichen Teile von Südamerika, Afrika oder Australien und der Mittelmeerraum, zu dem auch Jordanien gehört, werden mit noch weniger Süßwasser auskommen müssen.
Entwicklungshelfer Daniel Busche sieht die Folgen bereits jetzt schon eintreten. Noch ist kein Rückgang der Niederschlagsmenge zu erkennen, doch die Regenzeiten verschieben sich. „Es gibt klare Indikatoren, dass das schon stattfindet“, so Busche. Schätzungen prognostizieren einen Rückgang von 60 Prozent der Niederschlagsmenge in einigen Regionen Jordaniens bis zum Ende des Jahrhunderts.

Die Erderwärmung ist eine Ursache für die Verschiebung der Luftströme, aber es kommen noch andere Faktoren dazu. So kommt es zu mehr offenen Wasserflächen durch das Schmelzen der Antarktis, was eine größere Menge an Verdunstung von Wasser zur Folge hat, die wiederum große Luftströmungen beeinflusst.

Trotz Erwärmung in der Arktis könnte es in Mitteleuropa kälter werden, was Prof. Dr. Klaus Dethloff als „arktisches Paradoxon“ bezeichnet, bei gleichzeitig mehr Niederschlägen in der Antarktis. Die Wissenschaftler Richard Bintanja und Frank Selten vom Königlich-Niederländischen Meteorologischen Institut in De Bilt erwarten bis Ende des Jahrhunderts 50 Prozent mehr Niederschläge über der Arktis. Die beiden Wissenschaftler haben 37 Klimamodelle ausgewertet und kamen zu dem Schluss, dass die steigenden Niederschläge auf die höhere Verdunstung vor Ort zurückzuführen sind.

Insgesamt ist noch unklar, warum und wie sich die Luftströme verschieben. Daher ist eine genaue Prognose schwierig, wie sich künftige Niederschlagsmengen verteilen werden. „Da tappen wir noch ziemlich im Dunkeln. Wenn man sich für Niederschlagsänderungen interessiert, muss man sehr, sehr vorsichtig sein. Denn Niederschlag hat eine starke lokale und regionale Komponente“, so Prof. Dr. Klaus Dethloff. Eine einfache Antwort gibt es auf die Frage nach der künftigen Verteilung der Niederschläge nicht. Tendenziell gehen die Wissenschaftler dennoch von einer Zunahme der Extreme aus.

Das kann Entwicklungshelfer Erik Salas nur bestätigen. Hat es in Mosambik bisher alle 15 bis 20 Jahre eine schwere Überschwemmung gegeben, ist dies in den vergangenen 15 Jahren beinahe jährlich passiert. Laut Erik Salas ziehen die Stürme und starken Regenfälle immer weiter nach Süden in Richtung Maputo. Da in der Hauptstadt ein Großteil der Bevölkerung lebt, wären die Folgen katastrophal.

Wuelle: http://worldtimes-online.com/

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