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Verantwortung im Zeichen des Wassers

WWF und EDEKA haben in ihrer aktuellsten Studie den Umgang mit Wasser in landwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsstandards untersucht.

Mit Zertifizierungssystemen für den Internationalen Handel und freiwilliger Mindeststandards ist zum Schutz des Wassers schon viel gewonnen. Das Allheilmittel sind sie allerdings nicht. Probleme beim Wasserschutz gehen oft mit unzureichender Umsetzung von Gesetzen einher.

EDEKA und die unabhängige Naturschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) sind seit Jahren Partner für Nachhaltigkeit. Im Jahr 2009 begann die Kooperation mit den Thematiken „Schutz der Meere“ und „bestandsschonende Fischerei“. Seit 2012 hat sich die Partnerschaft zu einer strategischen Kooperation entwickelt. Der WWF tritt in beratender Funktion zu unterschiedlichen Themen- und Sortimentsbereichen bei EDEKA auf. Die Zielesetzung ist einen immer besseren ökologischen Fußabdruck von EDEKA zu erreichen sowie die Verbraucher für nachhaltigere Produkte sowie nachhaltigeren Konsum zu begeistern. Ein weiterer Schwerpunkt der Kooperation sind von EDEKA geförderte wissenschaftliche Studien, die Erkenntnisse zu den Themenschwerpunkten der Kooperation liefern.

Hierzu gehört insbesondere das Thema Süßwasser. 2014 haben EDEKA und WWF bereits die Studie "Deutschlands Wasserrisiko in Zeiten der Globalisierung" veröffentlicht. In der aktuellsten Studie “Verantwortung im Zeichen des Wassers“ wurde der Umgang mit Wasser in landwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsstandards untersucht. „Süßwasser wird in vielen Gebieten der Welt immer knapper und stellt für den Handel eine wichtige Ressource dar. Ein Missmanagement kann grundlegende Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft haben“, so Rolf Lange, Leiter der Unternehmenskommunikation EDEKA AG.

Die Landwirtschaft gilt weltweit mit 70 Prozent der größte Wasserverbraucher und ist nicht selten auch für Wasserverschmutzung verantwortlich. „Unter der durch die Landwirtschaft verursachten Schadstoffbelastung im Oberlauf eines Flusses in der Türkei leidet die Wirtschaft in den Regionen flussabwärts. Und in vielen Entwicklungsländern gelingt es der öffentlichen Hand nach wie vor nicht, die Wasserressourcen auf eine für Mensch und Natur nutzbringende Weise zu managen. Diese Beispiele verdeutlichen die immensen Herausforderungen für Mensch, Natur und Wirtschaft, mit denen wir heute weltweit konfrontiert sind. Eine der Hauptursachen für viele dieser Probleme ist die mangelhafte Verwaltung von Wasserressourcen der Flussgebiete“, so Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz des WWF Deutschland.

Die essentielle Ressource Wasser bildet die Basis aller Produktionsprozesse und ist wegen dem teilweise falschen und verschwenderischen Umgang gleichzeitig eines der größten Risikofaktoren für die Weltwirtschaft. Langsam ändert sich das Bewusstsein der Wirtschaft bei der Nachhaltigkeit des Wassers, denn die erheblichen wirtschaftlichen Risiken werden mit zunehmender Wasserknappheit und sinkender Wasserqualität immer deutlicher. „Die Verfügbarkeit von sauberem Wasser in ausreichenden Mengen steht und fällt mit einem ökologisch funktionierenden Flussgebiet“, so Philipp Wagnitz, Experte für Wasserrisiken beim WWF Deutschland.

Nachhaltigkeitsstandards haben Konjunktur. Multinationale Konzerne nutzen sie als entscheidendes Instrument zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele. Die Frage ist inwieweit die Standards zum Schutz des Wassers beitragen. Genau mit diesem Aspekt befasste sich die Studie des WWF und EDEKA. Zudem wurden konstruktive Lösungen zur Stärkung von Water-Stewardship-Konzepten aufgearbeitet. Die Studie verfolgte drei Ziele. Die Entwicklung eines ganzheitlichen Rahmens für die Beurteilung von Wasserkritierien in Standards, Analyse und Identifizierung von standardübergreifenden Mustern und Lücken sowie Schlussfolgerungen sowie Aufzeigen von Lösungswegen für die Standard-Community. Die Analyse erfolgte auf der Basis von 27 Kennziffern, die sich auf vier Water-Stewardship-Bereiche verteilen: Wasserregulierung, Wasserbilanz, Wasserqualität und wichtige wasserbezogene Flächen. Diese allgemeinen Water-Stewardship-Bereiche und die verschiedenen Kennziffern resultieren in großen Teilen aus der Verknüpfung des Water-Stewardship-Konzepts des WWF, des Standards der Alliance for Water Stewardship und des Certification Assessment Tool (CAT) des WWF.

„Süßwasser ist ein wichtiges Produktionsmittel, und bei den heutigen Standardsystemen steht häufig die effiziente Nutzung dieser Ressource im Mittelpunkt. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass Effizienz, z. B. durch Einsatz verbesserter Bewässerungstechnik, nicht zwangsläufig die Risiken der betroffenen Produzenten mindert […]Wir müssen anerkennen, dass Zertifizierungssysteme definitiv nicht das Allheilmittel sind. Weil die Probleme oft mit einer unzureichenden Umsetzung von Gesetzen zusammenhängen, sind positive Entwicklungen nur möglich, wenn sie von gut funktionierenden staatlichen Einrichtungen getragen werden. Daher können Zertifizierungssysteme den Staat nicht von seinen Aufgaben entbinden. Doch können sie Produzenten die Instrumente an die Hand geben, neue Wege zu finden, um Risiken in Flussgebieten abzuschwächen und dabei gleichzeitig zu gutem staatlichen Handeln beizutragen“, sagt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz des WWF Deutschland.

Insgesamt wurden in der Studie 24 Standardsysteme analysiert, von denen fünf einen breiten landwirtschaftlichen Fokus und zwölf einen produktspezifischen Fokus abdeckten. Zu den Standardsystemen gehörten unter anderem die 4C Association (4C), Aquaculture Stewardship Council – Tilapia (ASC), Fairtrade, GLOBAL G.A.P. und Norms for Organic Production and Processing (IFOAM). Im Ergebnis behandeln alle beurteilten landwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsstandards eine Reihe von Fragen zum Wassermanagement, wie Abwassermaßnahmen, Wassereffizienz und Gewässerschutzränder. Im Water-Stewardship-Bereich (z.B. gemeinsames Handeln) gibt es aktuell noch große Lücken. Defizite zeigen sich auch in der staatlichen Lenkung vor allem bei Fragen der Wasserregulierung.

Die analysierten Standards berücksichtigen zusammenfassend folgende Punkte am Stärksten: Abwassermanagement, Management ökologisch bedeutsamer Flächen, Versorgung mit sauberem Trinkwasser, angemessene sanitäre Versorgung und Hygiene (WASH), effiziente Wassernutzung, Landnutzungsänderungen und Rechtskonformität.

Am meisten profitieren würden hingegen bei stärkerer Berücksichtigung folgende Bereiche: indirekte Wassernutzung, antizipierte Zukunftsszenarios/Resilienzplanung, Wasserrisiko-Bewertungen, Management aquatischer invasiver Arten, gemeinsames Handeln, Teilhabe an der Verwaltung des Flussgebiets und Verpflichtungen auf Führungsebene.

Weiter ist in der Studie zu lesen: „Nach wie vor verlässt man sich zu stark auf das Wassermanagement auf der landwirtschaftlichen Fläche (z. B. Verhinderung von Verschmutzung und effiziente Wassernutzung); es fehlen Vorgaben für die Minderung von Wasserrisiken durch gemeinsame Water-Stewardship-Verfahren wie die Beteiligung am kollektiven Handeln und der Verwaltung des Flussgebiets. Für Gebiete mit hohen Wasserrisiken und Nutzer, die sich bei ihren Bemühungen zur Reduzierung von Wasserrisiken absichern wollen, ist die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Standardsystemen eine sehr gute, realisierbare Lösung. Wenn Standardsysteme oder ihre Kunden beispielsweise Praktiken der Wasserregulierung stärken wollen, kann u. U. der Alliance for Water Stewardship Standard (AWS) helfen, die Lücken zu schließen.“

Im Fazit sagt die Studie, dass es durchaus in die richtige Richtung geht, aber noch viel zu wenig von den vielen möglichen Maßnahmen umgesetzt werden. Es werden zumeist Maßnahmen getroffen, die einen selbst direkt betreffen, jedoch wird zu wenig über den eigenen Tellerrand geschaut. Doch nur mit Kooperationen sowie mit staatlicher Unterstützung und Kontrolle kann die Nachhaltigkeit von Süßwasser auch für die kommenden Generationen sichergestellt werden.

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