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Keime im Wasserfilter

Wasserfilter wurden zuletzt medial als Keimschleudern betitelt. Mal wieder wurde wenig differenziert berichtet und es wurden einfach mal pauschal Wasserfilter ganz allgemein als unsinnig, unnütz und gefährlich betitelt. Dabei ist Wasserfilter längst nicht gleich Wasserfilter.

Bei den Schlagzeilen konnte einem schon angst und bange werden. „Wasserfilter im Test: Mehr Keime als vorher“, „Wasserfilter werden schnell zur Keimschleuder“ oder „Wasserfilter: Kein Schutz vor Legionellen“. Die Aussagen in den nachfolgenden Artikeln machen da weiter wo die Schlagzeilen aufgehört haben. Es wird berichtet, Wasserfilter seien unsinnig, da das Trinkwasser in Deutschland einwandfrei sei. Es gäbe „seit Jahrzehnten keinen Erkrankungsfall mehr durch Wasser aus den Wasserwerken“, erklärt Professor Franz Daschner, ehemaliger Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg gegenüber der Apotheken-Umschau.

Legionellen, vor denen oft genug gewarnt wird, gelangen in der Regel sowieso erst im Haus ins Leitungswasser und ein Wasserfilter schützt vor Legionellen sowieso nicht, wird dem Leser in dem Artikel vermittelt. T-Online spricht von der guten Qualität des deutschen Trinkwassers und erklärt ein „Wasserfilter verbessert sie dagegen nicht. Sie führen vielmehr oft dazu, dass das Wasser unnötig mit Keimen und Schadstoffen belastet wird“. Zudem wird auf die Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen verwiesen, die Wasserfilter als eine meist „überflüssige Investition“ bezeichnet. Der NDR hat mit seinem Test von vier verschiedenen Wasserfiltern ebenfalls für mediales Aufsehen gesorgt.

Das Problem bei dieser Form von Berichterstattung ist die, beabsichtigte oder unbeabsichtigte sei mal dahingestellt, Irreführung der Leser. Es wurde nicht ausführlich genug und ausreichend differenziert zum Thema Wasserfilter berichtet. Die einseitige und meinungsmachende Berichterstattung scheint allerdings heute zum guten Ton der medialen Berichterstattung zu gehören. Die Themen müssen scheinbar reißerisch und schockierend aufbereitet werden, um die Aufmerksamkeit des Lesers zu gewinnen. Tatsache ist und bleibt, dass längst nicht alle Filtrationssysteme „Keimschleudern“ sind und es für viele Verbraucher berechtigte Gründe gibt das Trinkwasser zusätzlich durch Filtration aufzubereiten.

Die als „Keimschleudern“ betitelten Wasserfilter gehören allesamt zu der Gruppe der Wasserfiltersysteme, die mit Aktivkohle das Wasser filtern. Auch wenn sie im Einzelnen variieren, ist auch beim Test des NDR die Filtration mit Aktivkohle der Schwerpunkt der Wasserfiltration. Es wurden jeweils Proben vom Wasserhahn genommen und vom gefilterten Wasser. Bei dem Amway Wasserfilter wurde die Probe des Trinkwassers direkt am Zulauf vor dem Filter genommen. Nach der Analyse in einem akkreditierten Labor waren die Ergebnisse überraschend. Positiv war, dass alle Filter die Schwermetalle herausgefiltert haben. Die beiden Tischfilter von BRITA und BWT haben die Gesamthärte, also den Kalk entfernt. Was Bakterien angeht haben alle vier Filter versagt, wenn auch mit unterschiedlichen Ergebnissen. Bei Amway und Samsung wurden in geringem Maße höhere Werte erreicht als das nicht gefilterte Wasser. Schlusslicht des Quartetts war der Tischfilter von BWT, der dreimal so hohe Werte hatte wie die Trinkwasserverordnung erlaubt. Der Tischfilter von Brita konnte die Keimzahl zumindest verringern, wenn auch unzureichend.

Die wahrscheinlichste Ursache ist die Vermehrung der Keime auf der feuchten Aktivkohle, wo sie sich auf der Oberseite ansiedeln können. Ein feuchtes Milieu ist ideal für Keime um sich zu vermehren. Die Tischfilter von BWT und BRITA gaben zudem Silber an das Wasser ab. Das Schwermetall wird in die Filter getan, damit es Keime abtötet. Allerdings gibt es Keime die von den Silberionen nicht abgetötet werden. Bei dem Tischfilter von BWT hat das Silber anscheinend gar keinen Effekt gehabt und das Wasser zusätzlich verunreinigt. Bis auf die Kartusche von Samsung hatten alle Filter eine Anzeige, wann der Filter gewechselt werden sollte, wobei je nach Kühlschrank, wo der Filter eingesetzt wird eine Anzeige vorhanden ist. Scheinbar reagieren die jedoch Anzeigen zu spät.

Der Wasserfilter-Test des NDR spiegelt in etwa die Ergebnisse der Forschungen von Professor Franz Daschner wieder. Professor Daschner konnte ebenfalls belegen, dass auf vielen Wasserfiltern Keime wachsen. Aber auch hier ging es ausschließlich um Wasserfiltration mit Aktivkohle und nicht um Wasserfilter allgemein. Einige Hersteller haben auf die Ergebnisse reagiert und ihre Aktivkohle mit Silberionen versetzt. Dies hatte keine Wirkung auf die Silberresistenten Keime und zudem gelangen Silberionen in das gefilterte Wasser. Die sensationslüsterne mediale Aussage, dass Wasserfilter Keimschleudern sind ist überhaupt nicht haltbar. Es handelt sich ausschließlich um Wasserfilter mit Aktivkohle-Filtration.

Zudem wurde, neben der verallgemeinerten negativen Aussage über Wasserfilter, beharrlich über die Unsinnigkeit von Wasserfiltern berichtet. Wasserfilter seien völlig sinnlos und geradezu überflüssig. Das deutsche Trinkwasser ist schließlich das am besten Kontrollierte Lebensmittel und die Wasserwerke überwachen und kontrollieren das Trinkwasser fortwährend. Die Wahrheit ist, die Wasserbetriebe kontrollieren fortlaufend etwa 49 chemische und mikrobiologische Parameter der Trinkwasserverordnung und deren gesetzlich festgeschriebene Grenzwerte. Die zunehmende Verunreinigung der Oberflächengewässer und Grundwasserreservoire durch Landwirtschaft, Industrie und Bevölkerungswachstum mit Pharmazie, Düngemitteln, Pestiziden, einer Vielzahl chemischen Stoffen, Mikroplastik, Hormonen und vielen anderen Verunreinigungen erschweren den Wasserbetrieben die Aufbereitung von Trinkwasser zunehmend. Deutschland wird von der EU wegen seiner übermäßig nitrathaltigen Böden gerügt und die EU fordert Maßnahmen, um die Einhaltung der Grenzwerte, die ständig überschritten werden, zu gewährleisten. Die Problematik der Medikamente und der Abbaustoffe in den deutschen Gewässern wird zunehmend größer, als das sie gelöst wird.

Selbst Flaschenwasser ist kein Garant für ein bedenkenloses Produkt, wie immer wieder Tests von Verbraucherschutzorganisationen wie Ökotest, Stiftung Warentest oder diverse Verbraucherschutzformate im TV darlegen. Beim Test von 75 Mineralwässern von Ökotest wurden in jedem fünften Mineralwasser Pestizidmetabolite gefunden. In einigen Marken war zu viel Bor und Uran enthalten. Bei einer Untersuchung von Stiftung Warentest wies mehr als jede dritte stille Wasser Keime auf. Was die angebliche „ursprüngliche Reinheit“ von Mineralwasser betrifft dürfen laut dem Urteil in letzter Instanz beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg Abbaustoffe von Pflanzenschutzmitteln enthalten sein. „Ein Widerruf einer staatlichen Anerkennung als “natürliches Mineralwasser” aufgrund von vorhandenen, aber für die menschliche Gesundheit unschädlichen Verunreinigungen durch Abbauprodukte (Metaboliten) von Pflanzenschutzmitteln, kann nicht darauf gestützt werden, dass nach dem Gebot der “ursprünglichen Reinheit” in der Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) absolut keine Schadstoffe enthalten sein dürfen, denn danach ist nur eine normative Reinheit gefordert. Die Grenze zwischen anerkennungsfähigem und nicht anerkennungsfähigem Mineralwasser unter dem Gesichtspunkt von Verunreinigungen muss wegen ihrer Auswirkungen auf die Berufsfreiheit in der Verordnung selbst festgelegt werden. Ein herangezogener “Orientierungswert” für Pflanzenschutzmittel und Arzneimittel von 0,05 µg/l in einer behördeninternen Verwaltungsvorschrift ersetzt die gebotene normative Regelung nicht“, so die Begründung im Urteil.

Wenn also weder bei Mineral- beziehungsweise Flaschenwasser noch beim Trinkwasser aus dem Hahn nicht ausgeschlossen werden kann, dass es verkeimt und/oder mit anderen, potenziell gesundheitsschädlichen, Stoffen verunreinigt ist, wie kann dann behauptet werden, dass Wasserfilter für den Hausgebrauch unsinnig und unnütz sind? Es gibt bewährte Systeme zur Aufbereitung und Filtration von Wasser, welche zuverlässig und nachweislich Keime und andere Verunreinigungen herausfiltern. Qualitativ hochwertige Molekularfilter-Umkehrosmose-Systeme produzieren ein reines Wasser und filtern zuverlässig alle mikrobiologischen und chemischen Stoffe zu mehr als 95 Prozent heraus.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen listet auf ihrer Webseite zum Thema „Wasserfilter und -enthärter im Haushalt: eine meist überflüssige Investition“ die verschiedenen Systeme zur Wasserfiltration mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen auf.

Natürlich wird auch die Membran-Umkehrosmose-Technologie erwähnt. Die aufgelisteten Nachteile beziehen sich eine mögliche Verkeimung und auf den hohen Wasser- und Energieverbrauch, denn damit „die feine Membran nicht verstopft, muss sie unter hohem Wasserverbrauch gespült werden. Um 1 Liter gefiltertes Wasser zu gewinnen, werden daher zum Beispiel 3 Liter Trinkwasser gebraucht. Die Folge: Hohe Energie- und Wasserkosten. Die Membran ist anfällig für Verkeimung, da sich dort Schwebstoffe sammeln. Ein dauerhafter Verzehr dieses Wassers kann dem Körper Mineralien entziehen und zu Unterversorgung führen“.

Bei dieser Aussage findet sich ein Wiederspruch und es fehlt die Begründung, weshalb die Membrane anfällig für Verkeimung sein soll. Widersprüchlich ist, dass wenn die Membrane unter „hohem Wasserverbrauch“ gespült wird, wie sie dann verkeimen soll. Andere Aussagen sind ebenfalls veraltet. Gute Molekularfilter-Umkehrosmose-Systeme haben heutzutage ein Verhältnis von Reinstwasser (Permeat) zu Abwasser (Konzentrat) von 1 zu 1, also für ein Liter reines Wasser wird ein Liter Wasser in den Abfluss abgeleitet. Zudem verfügen gute Molekularfilter-Umkehrosmose-Systeme über ein automatisches Spülsystem, welches vor jeder Entnahme von Wasser die Membrane von Innen als auch Außen zwecks Reinigung spült. Die Energiekosten sind gering, da eine Molekularfilter-Umkehrosmose-Anlage im Hausgebrauch nicht im Dauerbetrieb läuft, sondern lediglich Wasser produziert, sobald es benötigt wird.

Die noch als nachteilig bezeichnete Unterversorgung des Körpers mit Mineralien beziehungsweise der Entzug von Mineralien ist wissenschaftlich nicht haltbar. Viel eher wird medizinisch und wissenschaftlich immer deutlicher, dass je reiner ein Trinkwasser ist, desto besser kann es die Aufgaben im Körper erfüllen. Es ist auch nicht die Aufgabe des Wassers dem Körper Mineralien zu liefern. Dafür sorgt die Ernährung. Mineralwässer sind ebenfalls nicht die wichtige Quelle für den Bedarf an Mineralien, wie es gerne suggeriert wird. Nur wenige Mineralwässer enthalten mehr als 1.500 Milligramm Mineralstoffe pro Liter. Oftmals besticht ein Mineralwasser mit einem einzigen Mineral in höherer Dosis. Mal hat ein Mineralwasser besonders viel Kalzium, ein anderes viel Magnesium und das nächste viel Kalium. Laut Stiftung Warentest sind rund die Hälfte aller Classic-Wässer (Mineralwasser mit Kohlensäure) mineralstoffarm. Bei den stillen Wässern sind sogar bei mehr als zwei Dritteln weniger als 500 Milligramm Mineralstoffe enthalten. Die angeblichen Nachteile der Molekularfilter-Umkehrosmose-Anlagen sind so wie sie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen darlegt nicht schlüssig, nicht stichhaltig und als Begründung nicht haltbar. In einem liegt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen jedoch richtig. Sie erklärt für wen Molekularfilter-Umkehrosmose-Systeme von Nutzen sind, denn durch dieses Verfahren „entsteht auch ‚hochreines Wasser‘ für Laboratorien und die Raumfahrt“. Und bei der Raumfahrt und in Laboratorien werden sicherlich keine Wasserfilter genutzt die „Keimschleudern“ sind.

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