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Nitrat im Trink- und Grundwasser

Deutsches Trinkwasser hat ein Nitrat-Problem – 7 Antworten zu den 7 wichtigsten Fragen zum Nitrat

In den letzten Jahren dominiert besonders ein Thema in den Medien, wenn es um Grund- und Trinkwasser in Deutschland geht. Es ist die Rede vom hohen Nitratgehalt im Grundwasser, welches im gesamtdeutschen Raum problematisch ist und somit einen Großteil der deutschen Bevölkerung direkt oder indirekt betrifft. Hier erfahren Sie Antworten auf die 7 wichtigsten Fragen zum Nitrat-Problem in deutschem Trinkwasser.

Wie groß ist das Nitrat Problem für das deutsche Trinkwasser?

Bei diesem Punkt gibt es nichts zu beschönigen. Das Problem ist groß, wie die Medien immer wieder berichten. Die Rede ist von einem Viertel bis zu einem Drittel der deutschen Grundwasser-Ressourcen, die eine zu hohe Nitratbelastung aufweisen. Auch viele Oberflächengewässer sind zu stark mit Nitrat belastet. Der Ernst der Lage zeigt sich auch in den politischen Debatten oder der Klage der Europäischen Kommission gegen Deutschland, wegen der hohen Verunreinigung der Gewässer durch Nitrat. Auf eine kleine Anfrage der Grünen antwortete das Bundesumweltministerium zu der Frage welche Grundwasserkörper aufgrund der zu hohen Nitratkonzentrationen den guten chemischen Zustand nicht erfüllen: „Nach aktuellem Kenntnisstand sind bundesweit 306 von insgesamt 1203 Grundwasserkörpern aufgrund einer hohen Nitratbelastung in einem schlechten chemischen Zustand.“

Was ist die Ursache von so viel Nitrat im Grundwasser?

Der Hauptverursacher ist die Landwirtschaft, insbesondere die Massentierhaltung. Gülle und Kunstdünger enthalten viel Nitrat. Für das Pflanzenwachstum ist Nitrat notwendig. Aber wie beinahe überall macht die Menge das Gift. Es wird schlicht zu viel Gülle produziert und diese auf die Felder ausgebracht. Deutschland selbst produziert mehr Gülle, als für den Anbau von Obst und Gemüse als Dünger für die Felder benötigt wird. Die Böden in Deutschland sind schlichtweg überdüngt. Daher ist der sogenannte Gülle-Tourismus kaum nachzuvollziehen. Die Niederländer exportieren ihre Gülle nach Deutschland, weil sie nicht wissen wohin damit.

Ist bald eine Lösung für das Nitrat in Sicht?

Diese ist kaum abzusehen. Wie untätig die Bundesregierung viele Jahre war, verdeutlicht die Klage der EU-Kommission. „Die Nitratrichtlinie, die die EU-Staaten im Jahr 1991 beschlossen haben, hat zum Ziel, die Wasserqualität in Europa zu verbessern, indem die Verunreinigung von Grund- und Oberflächenwasser durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen verhindert und der Einsatz beispielhafter landwirtschaftlicher Verfahren gefördert wird. Alle EU-Länder müssen ihre Gewässer überwachen und jene bestimmen, die durch Verschmutzung bedroht sind“, sagt die EU-Kommission. Die Bundesregierung hatte demnach 25 Jahre Zeit Maßnahmen zu ergreifen und dem wachsenden Problem Nitrat Herr zu werden. Und bevor die EU-Kommission einen Staat verklagt, müssen mehrere Instanzen eines Vertragsverletzungsverfahrens durchlaufen werden.
Große Hoffnung setzt die Bundesregierung in die Novellierung der Düngeverordnung. Allerdings kommt es seit Jahren kaum zu einer Einigung, was in die Düngeverordnung, und vor allem wie, aufgenommen werden soll. Die Lobbyisten der unterschiedlichen Interessenverbände (z.B. Landwirtschaftsverband und Wasserbetriebe) sowie unterschiedliche politische Standpunkte erschweren eine Einigung bei den Punkten in der Düngemittelverordnung, die am Ende wirklich wirkungsvolle Maßnahmen gegen die Nitratbelastung sein könnten.

Wie belastet ist das Trinkwasser mit Nitrat?

Noch schaffen es die Deutschen Wasserbetriebe die Grenzwerte von 50 Milligramm Nitrat pro Liter, wenn auch mancherorts gerade so, einzuhalten. Die Deutschen Wasserbetriebe sind sich des Nitrat-Problems sehr bewusst und entsprechend engagiert die Verursacher in die Verantwortung zu nehmen. Die Wasserbetriebe sind die leidtragenden, denn sie müssen dafür sorgen, dass die Grenzwerte der Deutschen Trinkwasserverordnung eingehalten werden. Das ist auch im “Bericht des Bundesministeriums für Gesundheit und des Umweltbundesamtes an die Verbraucherinnen und Verbraucher über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasser) in Deutschland“ nachzulesen:
“Wie schon in den Berichtsjahren 2009/2010 bleiben beim Parameter Nitrat Grenzwertüberschreitungen im Trinkwasser die seltene Ausnahme. Allerdings erlaubt dies weder einen unmittelbaren Rückschluss auf den Nitratgehalt der Rohwässer, noch stellen die Befunde einen Widerspruch dar zu dem in letzter Zeit beobachteten und in den Medien berichteten Anstieg der Nitratkonzentration in Grundwässern durch neuerliche Einträge aus Landwirtschaft und Biomasseproduktion. Die bisherigen Erfolge bei der Einhaltung des Nitratgrenzwertes im Trinkwasser liegen nicht zuletzt in Aufbereitungsmaßnahmen zur Nitrateliminierung in den großen berichtspflichtigen Wasserversorgungen begründet.“

Die Wasserbetriebe haben zwei Möglichkeiten die Nitratgrenzwerte beim Trinkwasser einzuhalten. Entweder wird das belastete Wasser mit Wasser aus nicht belasteten Quellen bzw. Brunnen verdünnt bis der Grenzwert unterschritten ist oder das Wasser muss technisch aufbereitet werden, was allerdings sehr kostenintensiv ist. „Wir müssen unser Grundwasser besser schützen – und dazu vor allem die Nitrateinträge aus der Landwirtschaft senken. Immer mehr Wasserversorger befürchten nämlich, dass in ihrer Nähe bald nicht mehr genügend unbelastetes Grundwasser für die Trinkwassergewinnung bleibt. Dann müssten diese Wasserversorger das Nitrat technisch aus dem Grundwasser entfernen oder von weit herholen“, mahnt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

Wie gesundheitsschädlich ist Nitrat?

Eine Konzentration über dem gültigen Grenzwert kann nach Angaben der EU-Kommission erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen haben, insbesondere auf schwangere Frauen und Kleinkinder. Nitrat selber ist nicht gesundheitsschädlich, doch wird Nitrat im Magensaft zu Nitrit umgewandelt. Zu viel Nitrit kann bei Säuglingen zu einer Unterversorgung von Sauerstoff im Blut führen und es kann sich eine Blausucht (Zyanose) entwickeln. Im schlimmsten Fall führt der Sauerstoffmangel in lebenswichtigen Organen wie dem Zentralnervensystem und dem Herz bei entsprechender Ausprägung bis zum Tod.
Die Nitrite können wiederum bio-chemisch weiter reagieren. In Verbindung mit Eiweißbausteinen entstehen im Darm sogenannte Nitrosamine und diese stehen in Verdacht Krebs zu erzeugen. „Nitrosamine werden hauptsächlich mit der Entstehung von Magenkrebs in Verbindung gebracht“, sagt etwa das Deutsche Krebsforschungszentrum. „Zusammen mit körpereigenen oder ebenfalls mit der Nahrung aufgenommenen Aminen oder Amiden können daraus wiederum N-Nitrosoverbindungen entstehen. Die meisten dieser Verbindungen haben sich im Tierversuch als krebserregend erwiesen. Nach Ansicht des BfR sollte die Nitrat- und Nitritaufnahme über Lebensmittel reduziert werden“, rät das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Wie kann ich den Nitratgehalt meines Trinkwassers erfahren?

“Über die im Bericht an die EU-Kommission zusammengefassten Informationen hinaus können sich Verbraucherinnen und Verbraucher beim zuständigen Gesundheitsamt oder dem Wasserversorgungsunternehmen über das Trinkwasser informieren. Nach Paragraf 21 Absatz 1 TrinkwV 2001 ist der Wasserversorger (unabhängig von der Größe der Wasserversorgungsanlage) verpflichtet, die Verbraucherinnen und Verbraucher mit geeignetem und aktuellem Informationsmaterial über die Qualität des von ihm zur Verfügung gestellten Trinkwassers zu informieren. Viele Wasserversorgungsunternehmen stellen die aktuellen Analysedaten und weitere Informationen zum Trinkwasser auch im Internet zur Verfügung“, so das Umweltbundesamt

Was kann ich gegen Nitrat im Trinkwasser machen?

Aktiven Schutz bietet ein Wasserfilter. Allerdings gibt es bei Wasserfiltern verschiedene Verfahren der Wasseraufbereitung. So kann ein Tischfilter bzw. Kannenfilter die Nitrat-Konzentration lediglich reduzieren. Andere Verfahren wie Ionenaustauscher oder Destillierverfahren finden sich eher in der Industrie wieder. Soll Nitrat bestmöglich aus dem Trinkwasser entfernt werden, ist für den privaten Gebrauch ein Umkehr-Osmose-Wasserfilter mit Nanofiltration zu empfehlen. Ein Umkehr-Osmose-Wasserfilter mit Nanofiltration filtert selbstverständlich nicht nur Nitrate heraus, sondern auch Keime, Bakterien, Schwermetalle wie Uran, Quecksilber oder Blei, Arzneimittelrückstände, Röntgenkontrastmittel, Pestizide, Herbizide, Pflanzenschutzmittel, Haushaltschemikalien, Mikroplastik und viele andere der tausenden chemischen Stoffen und Stoffverbindungen. Wen Sie mehr über sauberes und reines Trinkwasser für sich und ihre Familie wissen möchten oder wieso ein Umkehr-Osmose Wasserfilter diese hohe Effektivität beim Filtern gewährleisten kann – fragen Sie die Experten von BestWater.

Weitere Informationen und Quellen:
Kleine Anfrage Bündnis90/Die Grünen zu “Gewässerbelastung in Deutschland“ an das Bundesumweltministerium:
http://bit.ly/Gewaesserbelastung-in-Deutschland
Kleine Anfrage Bündnis90/Die Grünen zu “ Entwicklung Nitrat im Grundwasser“ an das Bundesumweltministerium:
http://bit.ly/Entwicklung-Nitrat-im-Grundwasser

PRESSESPIEGEL:

Ein Drittel des Grundwassers ist verschmutzt
Die Nitratbelastung in Deutschland ist zu hoch, die EU hat bereits Klage eingereicht, die Werte steigen laut eines Medienberichts dennoch. Hauptgrund: die Landwirtschaft.

QUELLE: ZEIT-ONLINE
Nitratbelastung des Trinkwasser - 30 Jahre Untätigkeit deutscher Politik

QUELLE: THE HUFFINGTON POST
Regierungsbericht
Grundwasser durch Nitrat verseucht
An vielen Orten in Deutschland ist zu viel Nitrat im Grundwasser. Das steht in einem neuen Regierungsbericht. Gelangt das Düngemittel in zu hohen Mengen in den Körper, gefährdet es Schwangere und Kleinkinder.

QUELLE: SPIEGEL-ONLINE
Schädliche Massentierhaltung
Nitratbelastung im Grundwasser steigt
Im Grundwasser ist so viel Nitrat enthalten, dass die EU-Kommission im Frühjahr gegen Deutschland klagt. Doch die Lage verbessert sich nicht, im Gegenteil. Politik und Umweltschützer machen Produzenten von Billigfleisch für die Belastung verantwortlich.

QUELLE: n-tv
Nitrat verseucht vielerorts deutsches Grundwasser
Über ein Viertel der Messstellen meldet Grenzüberschreitungen bei den Nitratwerten im Grundwasser. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks fordert nun verschärfte Regeln für Gülle und Kunstdünger.

QUELLE: Allgemeine Frankfurter Zeitung
Nitrat im Grundwasser Drohen Probleme bei der Versorgung mit Trinkwasser?
Die Europäische Kommission verklagt Deutschland wegen der anhaltend hohen Nitratbelastung in Gewässern - und auch im Saalekreis sehen die gemessenen Werte nicht berauschend aus. Wie MZ-Recherchen ergaben, lag die Belastung des Grundwassers im gesamten Kreisgebiet an fast jeder dritten der 52 Messstellen über dem gesetzlich festgeschriebenen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. – Quelle: http://www.mz-web.de/24148700

QUELLE : Mitteldeutsche Zeitung
“Staatlich geduldete Brunnenvergiftung“
Wasser ist lebensnotwendig und soll eigentlich per Gesetz besonders geschützt werden. Stattdessen aber nimmt die Grundwasserverseuchung mit Nitrat besonders in Deutschland teils extreme Ausmaße an.

QUELLE: WDR

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