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Ihre Gesundheit PET-Flaschen ein Gesundheitsrisiko?

PET-Flaschen ein Gesundheitsrisiko?


PET_Flasche_Frau_kleinMit dem Konsum von Getränken aus Plastikflaschen geht der Verbraucher wahrscheinlich ein gesundheitliches Risiko ein. Alle Menschen wissen, dass Wasser gesund ist. Wasser ist nicht gleich Wasser und der Verbraucher wählt ein für sich geeignetes Produkt aus, von dem er denkt, dass es unbedenklich und gut ist. Immerhin trinkt jeder Deutsche durchschnittlich 138 Liter Mineralwasser und die Branche freut sich regelmäßig über wachsenden Absatz. Auf die Verpackung achtet der Verbraucher hingegen nur selten und wenn doch, wird eher der Gewichtsunterschied zwischen Glas und PET das Maß der Dinge sein.

Auf die Möglichkeit, dass PET ein gesundheitliches Risiko darstellen kann, mag der Verbraucher zunächst nicht glauben. Jetzt haben Frankfurter Forscher sich mit der Materie auseinander gesetzt und herausgefunden: Das Mineralwasser aus PET-Flaschen weist eine Belastung mit Umwelthormonen auf. Der junge Doktorand Martin Wagner arbeitet mit Schnecken, mit deren Hilfe er hormonartige Substanzen nachweisen kann. Diese aber in Mineralwasser aus PET-Flaschen zu finden, konnte er sich nicht vorstellen: „Ich habe gedacht, Mineralwasser ist H2O und Mineralien, so wie man das eben denkt als unvorbelasteter Verbraucher.“ Für den Nachweis lässt Martin Wagner die Schnecken acht Wochen in Glas- und PET-Flaschen leben, bevor er sie unter dem Mikroskop untersucht: „Wir haben die Bruttaschen der Schnecken aus den PET- und aus den Glasflaschen geöffnet und dann die Nachkommen gezählt. Das ist das Maß für die östrogene Belastung.“ Nach dem Zählen des Schneckennachwuchses erkannte Martin Wagner, dass die Mineralwasser unterschiedliche Belastungen von hormonartigen Substanzen nachweisen. Dies kann nur mit den unterschiedlichen Verpackungen zusammenhängen: „Es hat sich in unserem Versuch gezeigt, dass die Schnecken aus den Plastikflaschen eine erhöhte Reproduktion hatten, während Schnecken, die in Glasflaschen lebten, eine ganz normale Reproduktion hatten. Und das gibt uns einen Hinweis darauf, dass etwas aus dem Material ausgelaugt ist. Wir haben überall dasselbe Wasser eingesetzt. Das Verpackungsmaterial war die einzige Variable in dem Versuch.“


PET_FlaschenAn der Universtät Würzburg erforscht Professor Gilbert Schönfelder den Einfluss von Chemikalien, die wie Hormone wirken. Diese Chemikalien können sich auf den menschlichen Körper schwerwiegend auswirken und erklärt: „Zum Beispiel in Veränderungen der Spermienqualität, Vergrößerungen der Prostata, verändertes Brustwachstum. Wir beobachten ein besonderes Auftreten von Diabetes Typ II oder Typ I oder Fettstoffwechselstörungen. Und es gibt einzelne Daten, die belegen, dass die Aufnahme von Umweltchemikalien in Zusammenhang stehen kann mit anderen Hormonkreisläufen wie zum Beispiel Stoffwechselstörungen.“
Die Belastung im Wasser erklären sich die Wissenschaftler damit, dass die PET-Flaschen nur augenscheinlich dicht und sicher ist. Tatsache ist: Der Kunststoff ist porös und die Kohlensäure kann durch die Hülle entweichen. Bei diesem Vorgang können Substanzen aus dem Kunststoff gelöst werden und gelangen ins Wasser. Die gefährlichen Substanzen konnte Martin Wagner aber nicht identifizieren, da er nicht die genaue Zusammensetzung der PET-Flaschen kennt. Die Hersteller der PET-Flaschen verraten Martin Wagner nicht die Rezeptur für die Plastik-Pulle: „Da wir nicht wissen, welche Chemikalien verwendet werden - das ist ein Industriegeheimnis - tappen wir im Dunkeln und suchen die Nadel im Heuhaufen.“

Auf Nachfrage des WDR beim Branchenführer Gerolsteiner und dem Verband Deutscher Mineralbrunnen zu den Gefahren von PET-Flaschen, wird mit kollektivem Schweigen geantwortet. Weder vor der Kamera noch schriftlich sind sie zu einer Stellungnahme bereit gewesen. Müssten die Behörden nicht Druck auf die Hersteller ausüben und sie zur Zusammenarbeit zwingen – besser noch, die PET-Flaschen vom Markt nehmen? Das Bundestinstitut für Risikoabwägung wollte sich gegenüber dem WDR ebenfalls nicht äußern und das Bundesumweltamt teilte telefonisch mit, dass sie erstmal weiter forschen müssen, bevor weitere Schritte unternommen werden können.
Der Toxikologe Professor Schönfelder hält die Zurückhaltung der Behörden für die falsche Strategie: „Das Thema ist so evident wichtig, weil es unsere Zukunft anbelangt. Wir wollen verstehen, was in den nächsten Generationen passiert. Mich persönlich interessiert nicht alleine, was morgen ist, sondern was passiert in 10, 20 und 150 Jahren. Weil das unsere ganze Population anbelangt.“ Letztlich ist es wieder einmal eine wirtschaftliche Frage. Die Gefahren wären ausgeschlossen, würden die Hersteller Leichtglas anstatt PET verwenden. Dazu wiegen die Leichtglas-Flaschen gerade mal ein Drittel der handelsüblichen Glasflaschen. Doch eine Umstellung kostet viel Geld und ohne Druck der Behörden bleibt die Entscheidung einem vorerst selbst überlassen – Glas oder Plastik.

Quelle: WDR

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